Frischer Harztropfen am Baumstamm, Foto: nikav/123rf
Frischer Harztropfen am Baumstamm, Foto: nikav/123rf
Frischer Harztropfen am Baumstamm, Foto: nikav/123rf
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ENTStEHUNG

EIGENSCHAFTEN

Der oft honigfarbene, mal durchsichtig, mal milchig-trüb erscheinende Stein schwebt im konzentrierten Salzwasser, ist brennbar und lädt sich beim Reiben auf Wolle elektrostatisch auf. Obwohl Bernstein in so mancher Mineralienliste auftaucht, ist das fossile Harz alles in allem zwar ein echtes Naturwunder, aber dennoch kein Gestein im eigentlichen Sinn. Bernstein besteht hauptsächlich aus Kohlenstoff, Sauerstoff sowie Wasserstoff und ist wie Gold oder Silber nicht besonders hart. Das über Jahrmillionen polymerisierte Baumharz erlebt gerade weltweit eine wertmäßige Renaissance: Auch heute werden besondere große, schöne und reine Bernsteine wieder wie im Altertum 1:1 mit Gold aufgewogen.

POLYMERISATION

Baumharz, das auf den Waldboden tropft, wird von der Natur recht bald wieder in seine Bestandteile zersetzt. Damit aus Harz ein Bernstein werden kann, mussten die Tropfen und Harzklumpen der urzeitlichen Kiefern ‚Pinus Succinifera‘ relativ schnell unter Luftabschluss gelangen. Dies geschah im damals subtropischen Wald des Nordens durch die zahlreichen Flüsse, von denen die flache Landschaft mäanderförmig durchzogen wurde. Sobald das Harz unter Luftabschluss kam, begann seine ‚innerliche‘ Aushärtung. 

Es setzte eine Polymerisation ein, ähnlich wie bei einem modernen Zweikomponentenkleber: Kurze Moleküle verbinden sich zu immer längeren Molekülketten und das Harz wurde fester und härter. 

Test

BERNSTEINWALD

Langjährige Forschungsarbeiten am Geologisch-Paläontologischen Institut der Universität Hamburg durch den Wissenschaftler Dr. Wolfgang Weitschat († 2016),  der zehntausende Bernsteineinschlüsse auswertete, ergaben im Laufe der Jahre - ähnlich einem Riesenpuzzle - ein immer klareres Bild, wie der ursprüngliche Bernsteinwald ausgesehen haben mag. 

Damit sich auch der unbedarfte Laie ein Bild von diesem Bernsteinwald machen kann, engagierte Dr. Weitschat zusammen mit dem Direktor des Deutschen Bernstein-Museums, Ulf Erichson, die Künstlerin Tina Rohde, die im Laufe von anderthalb Jahren mittels verschiedener Maltechniken ein realistisches Bild dieses lichten, von Wasserläufen durchzogenen Mischwaldes mit seiner abwechslungsreichen Fauna und Flora schuf. 

Aus dem Bernsteinwald, der große Gebiete des heutigen Skandinaviens bedeckte, wurden im Laufe der Zeit die schon etwas verfestigten Harzklumpen von den Flüssen ins Meer gespült und dort in Senken oder Buchten abgelagert. Später wurden diese Lagerstätten dann von Schlamm und Sand überdeckt und das Harz hatte viele Millionen Jahre Zeit, seine endgültige Härte zu erhalten und zu einem schleif- und polierfähigen Schmuckstein heranzureifen.

NAME

Seine Benennung verdankt das ‚Gold des Nordens‘ seiner lodernden Eigenschaft: Es brennt mit hellgelber Flamme und verströmt dabei einen angenehmem, weihrauchähnlichen Geruch. Das hochdeutsche Wort Bernstein entstand in Abwandlung der niederdeutschen Bezeichnungen Börnsteen bzw. Barnsteen (=  Brennstein).